Bierbehandlung und -lagerung

Bierbehandlung und -lagerung

Bierbehandlung und -lagerung


Lagerung und Ablaufdatum

Biere sollten generell kühl und dunkel gelagert werden. Zu warme Lagerung beschleunigt den Alterungsprozess, daher ist Keller- oder Kühlschranktemperatur zu empfehlen. Licht schadet vor allem dem Hopfen im Bier, besonders bei nicht-braunen Flaschen.

Bei naturbelassenen Bieren entwickelt sich der Geschmack laufend weiter: Zu Beginn kann sachgemäße Lagerung vielen Bieren zu einem runderen Geschmack nützen (in der Werbung wird daher auch oft "besonders lange Lagerung" betont. Andererseits reduzieren sich über die Zeit gewisse Geschmackskomponenten schrittweise. Zarte Biere sollten daher tendenziell bald genossen werden.

Jedenfalls können aufgrund der Bestandteile Alkohol, Hopfen und gegebenenfalls lebendiger Hefe keine pathogenen (krankheitserregenden) Keime wachsen. Daher verdirbt sauber gebrautes Bier auch nach dem MHD nicht, und sollte bei guter Lagerung durchaus noch einwandfrei genießbar sein.

Einige spezielle Bierstile werden andererseits für lange Reifungsperioden gebraut, und verändern entsprechend ihr Geschmacksprofil über die Zeit. Eventuell schöpfen sie ihr volles Potenzial erst nach einigen Jahren Lagerung aus. Dazu gehören insbesondere Starkbiere wie Barley Wines aus den angelsächsischen Raum oder Oude Gueuze Biere aus Belgien. Bei diesen Bieren können Sie – wie bei guten Rotweinen – Ihr Gefühl oder den Zufall über die Lagerdauer entscheiden lassen. Bei guter Lagerung ist auch bei diesen Bieren das MHD nur als sehr grobe Richtlinie zu verstehen. 


Satz am Flaschenboden bei flaschenvergorenen Bieren

Flaschenvergorene Biere, welche Sie klar genießen wollen, sollten vorher ein- bis zwei Tage ruhig und aufrecht stehen, damit sich die festen Stoffe unten setzten können. Entsprechend sollten die Biere dann in ein ausreichend großes Glas vorsichtig und in einem Zug eingeschenkt werden (natürlich ohne den Satz). Vor allem bei englischen „Real Ales“ ist diese Methode üblich.

Der Umgang mit dem Satz sollte sich aber eigentlich nach der Präferenz des Trinkers richten, da die Trübung bei diesen Bieren keine merkbare Geschmacksveränderung mit sich bringt, und die enthaltene Hefe durch ihren hohen Gehalt an Vitamin B gesund ist.

Bei vielen Flaschenvergorenen Bieren ist die Trübung daher explizit erwünscht, und die Hefe wird bewusst durch Bewegen der fast leeren Flasche gelöst und mit eingeschenkt. Dies gilt für deutsche Weißbiere und für viele belgische Bierspezialitäten.
 

 

Trinktemperatur

Die Trinktemperatur ist grundsätzlich Geschmacksache. Generell gilt jedoch, dass umso mehr Aromen über Nase und Zunge aufgenommen werden, je wärmer das Bier ist. So ist bei professionellen Blindverkostungen die Biere mit 20°C verkostet. Andererseits können durch sehr kaltes Servieren Geschmacksarmut oder sogar Bierfehler maskiert werden.

Als Grundregel könnte man sagen, dass zu zarteren Bieren eine etwas kühlere Trinktemperatur ab 8°C passt, während intensive, starke Biere auch sehr gut bei Kellertemperatur um die 14°C genossen werden können. Ein aussagekräftiger Qualitätsbeweis für ein Bier ist unserer Meinung nach, wenn sogar der „Hansel“ bei Raumtemperatur noch schmeckt (das ist natürlich nicht als Temperaturempfehlung zu verstehen). Bei globalen, standardisierten Industriebieren ist also im Umkehrschluss 5°C Serviertemperatur und/oder eine Zitronenscheibe eine gute Idee.  

 

Glasempfehlung

Was die optimale Glasform betrifft, gibt es verschiedenste Meinungen, die je nach Bierregion und Bierstil teilweise fast religiöse Dimensionen annehmen. So entwickeln Brauereien in Belgien teilweise für jedes ihrer Biere eine eigene Glasform (die in erstzunehmenden Bierlokalen auch alle bereitgehalten werden), während amerikanische Brauereien ebenso hochwertige Biere uneitel in dickwandigen Tumbler-Pints servieren lassen. Vergleiche ergeben auf jeden Fall, dass ein und dasselbe Bier aus verschiedenen Gläsern unterschiedlich schmeckt. Das liegt vor allem an der Glasdicke und der resultierenden Zungenstellung, sowie am Raum, in dem sich Gerüche sammeln können.

Ein unserer Ansicht nach zum Genuss von Bierspezialitäten relativ universell einsetzbares Glas ist ein bauchiges 0,3l Stiel-Bierglas (siehe Bild oben links): Der Stiel ermöglicht das Halten des Glases ohne den Inhalt zu erwärmen, der bauchige Körper des Glases hält die Aromen (80% des Geschmacks wird ebenfalls über die Nase wahrgenommen) und verdichtet den Schaum beim Einschenken. Alternativ ist somit auch ein Weinglas mit Stiel gut geeignet.

Eine bekannte Ausnahme für diese Glasempfehlung ist zum Beispiel naturtrübes Weißbier, da ja üblicherweise der gesamte Inhalt einer 0,5l-Flasche samt Hefesatz eingeschenkt wird, und für den reichlichen Schaum noch zusätzlicher Kopfraum notwendig ist. Hierfür empfiehlt sich das klassische Weißbierglas.